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Marvel-Star am Limit: Robert Downey Jr. hatte beim FSK-18-Thriller wohl den schlimmsten Dreh seines Lebens

May 22, 2026  Twila Rosenbaum  46 views
Marvel-Star am Limit: Robert Downey Jr. hatte beim FSK-18-Thriller wohl den schlimmsten Dreh seines Lebens

Bevor Robert Downey Jr. als Iron Man das Marvel Cinematic Universe (MCU) formte wie kein anderer Darsteller, erbrachte er bereits in den 1990er-Jahren grandiose Schauspielleistungen in Werken wie „Short Cuts“ und „Chaplin“ – für den letztgenannten Titel erhielt er sogar eine Oscarnominierung als Bester Hauptdarsteller. Doch seine Karriere kam – wie für einige Hollywood-Stars üblich – durch sein skandalöses Privatleben zum Erliegen. Grund dafür war, dass Robert Downey Jr. ein Alkohol- und Drogenproblem hatte, das dermaßen eskaliert ist, dass der mittlerweile 59-jährige Schauspieler Ende der 1990er-Jahre gleich mehrfach verhaftet wurde und mehrere Monate in Gefängnissen und Entzugskliniken verbrachte.

In dieser turbulenten Dekade entstand dabei auch der kontroverse Spielfilm „Natural Born Killers“, der die Geschichte des Pärchens Mickey (Woody Harrelson) und Mallory (Juliette Lewis) erzählt, die durch die Vereinigten Staaten von Amerika reisen und wahllos Menschen ermorden. Robert Downey Jr. spielt in dem ab 18 Jahren freigegebenen Action-Krimi einen aufgedrehten Fernsehmoderator namens Wayne Gale, der das Killer-Duo für seine TV-Show interviewt. Der Film, inszeniert von Regisseur Oliver Stone, wurde bei seiner Veröffentlichung 1994 für seine extreme Gewaltdarstellung kritisiert, aber auch für seinen satirischen Blick auf die Medienlandschaft gelobt.

Im Gespräch mit dem Magazin Esquire enthüllte Robert Downey Jr. dabei eine Geschichte über einen Drehtag, der sich (zunächst) als wahrer Horror für ihn entpuppte. Denn die große Szene mit dem Gefängnisinterview wurde von den Filmschaffenden vorverlegt, sodass Robert Downey Jr. angerufen und zum Set bestellt wurde. Das Problem war bloß: Der Darsteller hat sich ziemlich stark abgefüllt und war nicht in der Lage, seine Performance abzuliefern. Seine Worte dazu sind bis heute erschreckend ehrlich:

„An dem Tag, an dem wir das Interview im Gefängnis drehten, war ich in der Stadt unterwegs gewesen, ich war sternhagelvoll. Und dann wurde alles auf dem Drehplan verschoben und plötzlich musste ich in zwei Stunden da sein. Bis zum heutigen Tag war das eine der demütigendsten Benachrichtigungen, die ich je erhalten habe, denn es war eine siebenseitige Szene. Ich kam am Set an und war absolut nutzlos. Ich bekam dann eine therapeutische Injektion von „B12-Vitaminen“ – ich setze das jetzt einfach in Anführungszeichen, kursiv und unterstrichen, mit Fragezeichen auf beiden Seiten. Ich habe in meinem Leben noch nie so schöne neun Stunden erlebt.“

Diese Episode zeigt, wie tief Downey in jener Zeit gesunken war. Die „Vitamin-B12-Injektion“ war vermutlich alles andere als ein harmloses Nahrungsergänzungsmittel – es ist dokumentiert, dass Menschen in seinem Umfeld ihm damals oft Substanzen beschafften, um ihn funktionsfähig zu machen, sei es durch Ärzte oder fragwürdige Quellen. Die neun Stunden, von denen er spricht, waren wohl ein Rauschzustand, der es ihm ermöglichte, die Szene dennoch zu drehen – und das mit einem Ergebnis, das bis heute als unvergesslich gilt. Viele Zuschauer und Kritiker heben die schrille, überdrehte Performance von Downey als Wayne Gale hervor, die perfekt in Stones surreale Inszenierung passt. Irgendwie gelang es ihm sogar, trotz seiner Beeinträchtigung eine ikonische Rolle zu erschaffen.

Um zu verstehen, wie Robert Downey Jr. in diese verzweifelte Lage geriet, muss man seine Biografie genauer betrachten. Schon als Kind stand er vor der Kamera: Sein Vater, der Filmemacher Robert Downey Sr., besetzte ihn mit fünf Jahren in dessen Underground-Film „Pound“. Doch das Elternhaus war geprägt von Drogenkonsum – der Vater gab ihm sogar selbst Marihuana, als Downey acht Jahre alt war. Später entwickelte der Schauspieler eine schwere Sucht nach Kokain, Heroin und Alkohol. Trotz seines natürlichen Talents, das ihm Rollen in Filmen wie „Less Than Zero“ (1987) und „Chaplin“ (1992) einbrachte, wurde sein Rauschgiftkonsum immer exzessiver.

In den späten 1990er-Jahren folgten Verhaftungen wegen Besitzes von Kokain und Heroin, Besitzes einer unregistrierten Waffe und Fahrens unter Einfluss. Er saß im California State Prison in Corcoran ein und verbrachte Monate in Entzugseinrichtungen. Sein Stern sank rapide, und viele in Hollywood schrieben ihn bereits ab. Doch Robert Downey Jr. schaffte das, was nur wenige Stars schaffen: einen Neuanfang. Nach seiner Entlassung 2000 gelang ihm ein mühsames Comeback, zunächst mit Nebenrollen in Filmen wie „Zoolander“ und „Gothika“. Der absolute Wendepunkt kam 2008, als er Tony Stark in „Iron Man“ verkörperte. Regisseur Jon Favreau setzte sich vehement für ihn ein, und der Erfolg gab ihm recht – Downey wurde zum Gesicht des MCU.

Doch zurück zu den 1990ern: Der Dreh von „Natural Born Killers“ war nicht der einzige schwierige Moment in dieser Dekade. Downey selbst bezeichnete die gesamte Zeit als einen Kampf gegen sich selbst. Manche seiner Kollegen erinnern sich an einen talentierten, aber unberechenbaren Schauspieler. In „Hearts and Souls“ (1993) und „Only You“ (1994) lieferte er noch charmante Leistungen ab, doch die Abhängigkeit fraß seine Pünktlichkeit und Verlässlichkeit auf. Produzenten und Regisseure wussten nie, ob er am Set erscheinen würde – und wenn, in welchem Zustand.

„Natural Born Killers“ selbst ist ein Werk, das bis heute polarisiert. Oliver Stone verwendete eine Vielzahl von Filmformaten, Animationen und psychedelischen Bildern, um die Gewaltverherrlichung in den Medien anzuprangern. Die Figur Wayne Gale ist ein zynischer Journalist, der aus den Morden eine Unterhaltungsshow macht – eine satirische Überzeichnung, die Downey Jr. mit einer fast manischen Energie ausstattete. Seine Szenen im Gefängnis, in denen er Mickey und Mallory interviewt, gehören zu den intensivsten des Films. Dass er diese Leistung unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen erbrachte, macht die Sache noch surrealler. Man könnte fast sagen, dass sein realer Rauschzustand der Rolle zusätzliche Authentizität verlieh – auch wenn dies natürlich kein Grund zur Verherrlichung ist.

Heute blickt Robert Downey Jr. auf diese Zeit mit einer Mischung aus Scham und liebevoller Distanz. In Interviews spricht er offen über seine Fehler und wie er durch Therapie, Meditation und den Rückhalt seiner Familie (seine Frau Susan Downey) einen neuen Lebensweg fand. Er ist ein Paradebeispiel für eine gelungene persönliche Transformation. Sein schlimmster Dreh war vielleicht der zu „Natural Born Killers“, aber er half ihm auch, die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen. Die Geschichte dieser einen Szene ist ein kleines Fenster in die Dunkelheit, aus der er sich Schritt für Schritt herauskämpfte. Und sie zeigt, dass selbst in den tiefsten Tiefen noch ein Funken künstlerisches Feuer brennen kann – ein Feuer, das ihn später zum größten Superhelden einer ganzen Generation machen sollte.

Für Filmfans bleibt die Leistung in „Natural Born Killers“ ein faszinierendes Zeugnis einer verlorenen Zeit. Wer den Film heute sieht, kann kaum glauben, dass dieser brillante, verrückte Wayne Gale von einem Mann gespielt wird, der gerade noch seinen Rausch ausschlief. Es ist eine Mahnung und ein Wunder zugleich. Und wenn man die Bilder des heutigen Robert Downey Jr. sieht – elegant, selbstbewusst, erfolgreich – dann weiß man, dass selbst der schlimmste Dreh nicht das Ende sein muss.


Source: KINO News


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