Politiker von links bis rechts fordern höhere Steuern für Superreiche und behaupten, sie hätten ihren Wohlstand nicht verdient. Fakt ist: Sie vereinnahmen nur einen Bruchteil des Nutzens, den sie schaffen. Diese These vertritt Michael R. Strain, Ökonom und Leiter der wirtschaftspolitischen Studien am American Enterprise Institute, in einem aktuellen Kommentar. Er widerlegt die vorherrschende Kritik an Milliardären und zeigt auf, warum ihr Reichtum der Gesellschaft insgesamt zugutekommt.
Das Missverständnis vom Nullsummenspiel
Die US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, progressiver Superstar aus New York, behauptet: «Es gibt ein gewisses Mass an Reichtum und Vermögenszuwachs, das unverdient erlangt wird. 1 Mrd. $ kann man sich nicht verdienen. Das ist einfach unmöglich.» Diese Aussage spiegelt ein weit verbreitetes Gefühl wider, dass Milliardäre der Gesellschaft etwas wegnehmen, statt einen Beitrag zu leisten. Strain argumentiert, dass hier mangelnde Vorstellungskraft im Spiel sei.
Tatsächlich fällt es vielen leichter, den gesellschaftlichen Mehrwert von Entertainern wie Taylor Swift oder Steven Spielberg zu erkennen. Doch der Mehrwert erfolgreicher Unternehmer sei nicht viel schwerer auszumachen. Bill Gates zum Beispiel hat mit der Entwicklung immer besserer Software die Produktivität von Hunderten Millionen Arbeitnehmern gesteigert. Weil diese nun produktiver sind, erhalten sie höhere Löhne, als dies ohne Microsoft-Software der Fall wäre.
Die wahren Schöpfer von Wohlstand
Larry Page und Sergey Brin revolutionierten die Internetsuche, Kartografierung und E-Mail-Technologie und stellten Dienste zur Verfügung, die von Hunderten Millionen Menschen weit mehr wertgeschätzt werden als die dafür anfallenden Kosten von null Dollar. Ähnlich verhält es sich mit Jeff Bezos: Der Gründer von Amazon schuf nicht nur ein riesiges Unternehmen, sondern auch einen immensen Wert für die Gesellschaft. Der Nobelpreisträger und Ökonom William D. Nordhaus untersuchte die Erträge aus Innovationen und kam zu dem Schluss, dass Innovatoren «nur einen winzigen Bruchteil» – nämlich 2,2% – des von ihnen geschaffenen Werts für sich beanspruchen.
Bezogen auf Jeff Bezos' Nettovermögen von 273 Mrd. $ bedeutet dies: Er hat für den Rest der Gesellschaft einen Wert von 12,7 Bio. $ geschaffen. «Wir haben also einen richtig guten Deal gemacht», schreibt Strain. Dank Bezos' Innovation müssen Reisende nicht mehr ein halbes Dutzend Bücher mitschleppen, sondern können einfach einen Kindle einpacken. Millionen Amerikaner verbringen weniger Zeit mit Fahrten zu physischen Geschäften, und weil die Waren bei Amazon günstiger sind, steigt die Kaufkraft der Haushaltseinkommen.
Beispiel Ken Griffin und Citadel
Ein weiteres Beispiel ist Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin, der von New Yorks Bürgermeisterkandidat Zohran Mamdani als Ziel einer geplanten Steuer auf Zweitwohnungen über 5 Mio. $ genannt wurde. Mamdani sagte: «Als Bürgermeister glaube ich, dass in unserer Stadt jeder etwas beitragen muss. Und manche eben etwas mehr als andere.» Doch Strain hält dagegen: Griffin und seine Firma Citadel leisten einen viel grösseren Beitrag für New York als der Durchschnittsbürger, wenn auch auf weniger offensichtliche Weise.
Laut einem Memo des Chief Operating Officer von Citadel zahlten die New Yorker Mitarbeiter des Unternehmens in den letzten fünf Jahren 2,3 Mrd. $ an lokalen und bundesstaatlichen Steuern. Zudem ist ein 6-Mrd.-$-Büroprojekt an der Park Avenue geplant, das 6000 Arbeitsplätze im Baugewerbe schaffen würde. Griffin selbst hat 650 Mio. $ für wohltätige Zwecke in New York gespendet. Darüber hinaus tragen Hedgefonds-Manager wie Griffin zur effizienten Kapitalallokation in der gesamten Wirtschaft bei, was letztlich die Produktivität der Arbeitnehmer steigert und ihren Lohn und Lebensstandard verbessert.
Die Gefahren populistischer Steuerpolitik
Die Ideen von Ocasio-Cortez und Mamdani könnten genau den Arbeitnehmern schaden, um die sie sich angeblich sorgen. Griffin baut seine Aktivitäten in Florida unter anderem deshalb aus, weil er befürchtet, dass New Yorks Vorstoss, die Wohlhabenden ins Visier zu nehmen, eskalieren könnte. Auch mehrere prominente Führungskräfte aus der kalifornischen Tech-Branche haben sich kürzlich in Florida niedergelassen. Wenn New York und Kalifornien ihren Wettbewerbsvorteil einbüssen, wäre das schlecht für ihre jeweiligen Einwohner – wenn auch nicht unbedingt für das Land als Ganzes.
Auf nationaler Ebene stehen prominente Politiker beider Parteien den Reichen zunehmend feindselig gegenüber. Bei den populistisch-nationalistischen Rechten hat Steve Bannon eine «massive Steuererhöhung für Milliardäre» gefordert, während die Senatorin von Massachusetts, Elizabeth Warren, eine Steuer für «die Ultrareichen» vorschlägt. Derartige Vorschläge gehen stets mit der Behauptung einher, das wirtschaftliche Spiel sei zum Nachteil gewöhnlicher Arbeitnehmer und Haushalte manipuliert, wobei die Reichen der Mittelschicht und den Armen etwas wegnehmen würden.
Gerechter Lohn durch Produktivität
Strain hält dies für gefährlichen Unsinn. In der US-Wirtschaft erhalten die Menschen ihren gerechten Lohn. Die Vergütung wird in erster Linie durch die Produktivität bestimmt – durch Einsatz, Risikobereitschaft, Qualifikationen und Entscheidungen. Milliardäre verfügen vor allem deshalb über überdurchschnittlichen Reichtum, weil der Marktwert ihres wirtschaftlichen Beitrags zur Gesellschaft dies rechtfertigt. Der Ökonom plädiert dafür, ihren Erfolg als Vorbild für junge Menschen zu feiern. «Wir sollten uns nicht weniger, sondern mehr Milliardäre wünschen – in der Gewissheit, dass sie der Gesellschaft viel mehr geben, als sie von ihr nehmen.»
Diese Sichtweise stellt die gängige Debatte über Vermögensungleichheit und Steuergerechtigkeit infrage. Während viele Politiker die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich beklagen und höhere Abgaben für Superreiche fordern, zeigt die Analyse von Strain, dass der Reichtum der Milliardäre oft direkt aus ihrem Beitrag zum Gemeinwohl resultiert. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie man ihren Reichtum umverteilen kann, sondern wie man die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass weiterhin Innovation und Wertschöpfung möglich sind. Populistische Steuerpolitik könnte genau das Gegenteil bewirken und letztlich die wirtschaftliche Dynamik bremsen, von der alle profitieren.
Source: Finanz und Wirtschaft News