Aston-Martin-Pilot Lance Stroll fährt in dieser Woche in Kanada seinen Heim-Grand-Prix. Der Kanadier ist in Montreal geboren, wo auf dem Circuit Gilles Villeneuve ein Sprintwochenende absolviert wird. Sportlich dürfte das Rennwochenende in der Heimat allerdings herausfordernd werden. Aston Martin ist noch immer nicht auf einen grünen Zweig gekommen.
Windtunnel und Simulator haben Potenzial
Lance Stroll verrät in einem Interview auf der Teamwebsite aber, was ihm Hoffnung macht: «Wir haben einige unglaublich talentierte Leute am Technology Campus, und mit Werkzeugen wie dem neuen Windtunnel und dem Simulator steckt hier enormes Potenzial. Wir haben alle Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Team zu werden – es geht nur darum, dieses Potenzial auszuschöpfen.»
Stroll betont, dass er trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten weiterhin an eine positive Zukunft seines Teams glaubt, das mehrheitlich seinem Vater Lawrence Stroll gehört: «Ich glaube fest an dieses Projekt, auch wenn wir gerade einige schwierige Zeiten durchleben. Die Zukunft ist sehr vielversprechend, und ich möchte diese schwierige Phase durchstehen und Teil der Reise sein, auf der wir uns befinden.»
«In der Formel 1 geht alles sehr schnell»
Für solche schwierigen Phasen hat Stroll eine besondere Strategie: «Man muss auf dem Boden bleiben und den Überblick behalten. In der Formel 1 geht alles sehr schnell. Ein paar Monate können die Lage komplett verändern. Wenn man sich also von den Höhen oder Tiefen zu sehr mitreißen lässt, ist es schwierig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.»
Der Kanadier stellt vor seinem Heimrennen fest: «Als Fahrer wollen wir alle ganz vorne mitkämpfen. Wenn man schwierige Phasen durchmacht, ist das natürlich frustrierend, weil jeder im Team unglaublich hart arbeitet und mehr will. Aber auch diese Momente gehören dazu, wenn man etwas aufbaut. Man muss weiterarbeiten, ehrlich zu sich selbst sein, was die Verbesserungsmöglichkeiten angeht, und dem Prozess vertrauen, auch wenn die Ergebnisse nicht sofort sichtbar sind.»
Es scheint, als wäre der Weg von Aston Martin in dieser Saison noch ein weiter. Die Probleme kamen mit Beginn des neuen Reglements auf, in das man eigentliche so große Hoffnungen gesetzt hatte. Bei den Tests konnten die Aston-Martin-Piloten Stroll und Fernando Alonso kaum fahren – zu groß die Verlässlichkeitsprobleme. In den ersten Rennen kamen die Boliden nicht bis zur Zielflagge, fielen mit unterschiedlichen Problemen aus. In Suzuka dann die erste Zieleinfahrt für Alonso – und in Miami dann endlich für beide Aston Martins. Ein kleiner Sieg auf einer wohl noch langen Reise.
Das Team aus Silverstone hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Aus dem ehemaligen Racing-Point-Team, das 2020 mit einem pinken Mercedes-Klon für Aufsehen sorgte, wurde unter der Führung von Lawrence Stroll ein ambitioniertes Werksteam mit eigenem Windtunnel und modernster Infrastruktur. Der Bau des neuen Technology Campus in Silverstone war ein klares Bekenntnis zur Zukunft. Doch der Erfolg ließ bisher auf sich warten. Obwohl man in der Saison 2023 mit mehreren Podestplätzen überraschte, zeigte die Formkurve zuletzt wieder nach unten.
Stroll selbst, der 2017 als Teenager in die Formel 1 einstieg und bereits drei Jahre später seinen ersten Podestplatz in Baku feierte, hat Höhen und Tiefen erlebt. Sein Sieg in der Türkei 2020 – damals noch für Racing Point – war ein Highlight. Doch die vergangene Saison war geprägt von Ausfällen und mangelnder Konkurrenzfähigkeit. Die Ankunft des zweifachen Weltmeisters Fernando Alonso im Jahr 2023 brachte zunächst neuen Schwung, doch auch der Spanier kämpft derzeit mit den Grenzen des Autos.
Der Circuit Gilles Villeneuve in Montreal ist bekannt für seine schnellen Geraden und engen Schikanen, die vor allem eine gute Traktion und ein stabiles Heck erfordern. Für Aston Martin, das mit Untersteuern und mangelnder Haftung zu kämpfen hat, könnte die Streckencharakteristik eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung: Die Einführung des neuen Windtunnels, der Anfang 2025 in Betrieb genommen wurde, könnte mittelfristig für Fortschritte sorgen. Experten sehen darin einen entscheidenden Schritt, um aerodynamische Schwächen zu identifizieren und zu beheben.
Auch der verbesserte Simulator, der in der Fabrik in Silverstone installiert wurde, soll den Fahrern helfen, Set-up-Änderungen besser zu verstehen und schneller an die Rennstrecke anzupassen. Stroll betonte mehrfach, dass diese Werkzeuge das Potenzial hätten, das Team nach vorne zu bringen. «Wir haben alle Zutaten, um erfolgreich zu sein», sagte er. «Jetzt müssen wir sie nur richtig kombinieren.»
Die Stimmung im Team bleibt trotz der Rückschläge positiv. Die Mechaniker und Ingenieure arbeiten unermüdlich daran, die Zuverlässigkeit zu verbessern. Nach den enttäuschenden Rennen in Australien und Aserbaidschan, wo beide Autos ausfielen, war der Doppel-Zieleinlauf in Miami ein wichtiges Signal. «Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», erklärte Teamchef Mike Krack. «Die Schritte sind klein, aber sie gehen in die richtige Richtung.»
Blickt man auf die Geschichte des Teams zurück, wird deutlich, dass Lawrence Stroll schon oft bewiesen hat, dass er aus schwierigen Situationen erfolgreiche Projekte formen kann. Als er 2018 das finanziell angeschlagene Force-India-Team übernahm, legte er den Grundstein für den Aufstieg. Mit der Übernahme des Aston-Martin-Namens und der massiven Investition in die Infrastruktur verfolgt er eine langfristige Vision. Ob diese Vision bereits in dieser Saison erste Früchte trägt, bleibt abzuwarten. Der Heim-Grand-Prix in Kanada ist für Stroll emotional, aber auch sportlich eine Bewährungsprobe.
Die Konkurrenz schläft nicht. Red Bull dominiert weiterhin, Mercedes und Ferrari haben aufgeholt, und McLaren zeigt starke Aufwärtstendenzen. Aston Martin muss sich daher auf die eigene Entwicklung konzentrieren, ohne den Anschluss zu verlieren. Strolls Zuversicht ist bemerkenswert: «In der Formel 1 sind die Abstände oft kleiner, als es von außen scheint. Ein gutes Update kann alles verändern. Wir sind bereit.»
Source: SPEEDWEEK.com News